Preisträger in der Kategorie
„Experimentelle Arbeiten“ 2015

Dr. Joachim Schwäble

AAV basierter Gentransfer von FIX Varianten mit FVIII bypassing Aktivität zur Behandlung der Hämophilie A

Behandlungsperspektive bei Hämophilie A: Heilung auf Umwegen

Hämophilie A ist die mit Abstand häufigste Form der Bluterkrankheit. Rund 80 Prozent aller Hämophilie-Patienten leiden daran, Hämophilie B betrifft dagegen nur rund 20 Prozent. Ursache für Hämophilie A sind Mutationen des Gens, das für den Gerinnungsfaktor FVIII kodiert und auf dem langen Arm des X-Chromosoms lokalisiert ist. Als monogenetische Erkrankung ist die Hämophilie theoretisch durch einen Gentransfer heilbar.

Bei der selteneren Hämophilie B hat sich der gentherapeutische Ansatz in klinischen Studien (Phase I und II) bereits als wirksam erwiesen. Im Falle der Hämophilie A scheitert eine Gentherapie bislang an der Beschaffenheit  von FVIII: Größe, Komplexität und Immunogenität von FVIII machen es beinahe unmöglich, eine Genkopie des Moleküls in menschliche Zellen einzuschleusen.

Der gentherapeutische Ansatz von Dr. Joachim Schwäble und seinem Team geht daher einen Umweg über einen FVIII umgehenden Gerinnungsfaktor FIX. Mithilfe eines adeno-assoziierten-Virus (AAV) als Vektor gelangt das deutlich kleinere FIX-Molekül in die Zelle. Auch ohne FVIII erreichen die hier eingesetzten FIX-Varianten eine teilweise Gerinnungsaktivität von rund 15 Prozent.

Bis die Erkenntnisse tatsächlich zu Behandlungserfolgen bei Menschen mit Hämophilie A führen können, sind weitere Forschungen nötig. Zwei Strategien sollen den Ansatz in Zukunft verbessern und die Effizienz des AAV-basierten Gentransfers steigern: Die gentechnische Optimierung der FIX-Varianten zur Steigerung ihrer Expressionsstärke und die Verbesserung des AAV-Vektors hinsichtlich seiner Leberspezifität. Das soll dazu führen, dass die gesunden Genkopien spezifischer in die Leberzellen gelangen und besser abgelesen werden können.

Ziel der Arbeit von Dr. Joachim Schwäble ist es, die AAV basierte Gentherapie unter Einsatz einer FXIV-Variante mit FVIII umgehender Aktivität zur klinischen Anwendungsreife zu bringen und Menschen mit Hämophilie A so eine gentherapeutische Behandlung in Aussicht zu stellen. Auch Patienten, die inhibitorische Antikörper gegen FVIII entwickelt haben, könnten in Zukunft davon profitieren.

Zur Person

Dr. Joachim Schwäble, Jahrgang 1970, studierte Humanmedizin an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Er promovierte bei Professor Dr. Schweizer an der dortigen Abteilung für Kinderchirurgie über die Modulation der Trk-A-Expression in Neuroblastomzelllinien durch Retinsäure. Seit seiner Approbation 1998 ist Dr. Joachim Schwäble auf dem Gebiet der Hämatologie / Onkologie tätig – zunächst an den Universitätskliniken Münster, später dann am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit 2013 forscht er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie Frankfurt am Main zur Entwicklung gentherapeutischer Ansätze bei Hämophilie.

Dr. Joachim Schwäble publizierte zur Biologie der akuten myeloischen Leukämie und neuen gentherapeutischen Ansätzen bei septischer Granumatulose. Seine Aufsätze erschienen in renommierten Fachzeitschriften wie Blood, Cancer reseach, Molecular Therapy und Current gene therapy.